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Kaktusfeige gegen Kater 🌵 Wie Anti-Katermittel auf eine Studie reinfallen.

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Kaktusfeige gegen Kater? Im Jahr 2004 wurde eine etwas ominöse Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse auf den ersten Blick vielversprechend klingen: Ein Extrakt von Opuntia ficus indica, auf Deutsch als Kaktusfeige bekannt, hat einen Effekt auf Katersymptome! Nur halb so viele “severe hangovers”, deutliche Verbesserung diverser Symptome, wir haben endlich das Mittel, auf das die Menschheit seit Jahrtausenden wartet!

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Feiern ohne Reue? Der Alkohol-Kater beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn… naja, der Menschheit.

Nicht so schnell…

Da wundert es nicht, dass es mittlerweile zahlreiche Produkte gibt, die sich diese angeblichen Eigenschaften des Kaktusfeigenextrakts zueigen machen wollen. Die vermeintlichen Mittel gegen Kater verpacken das Zeug als Getränke- oder Brausepulver, in Kapseln oder sonstigen Formen, verweisen auf die Kaktusfeige, aber sind auffallend zurückhaltend mit konkreten Aussagen zu ihr.

Das hat einen Grund: Man darf nur schreiben, was stimmt. Für Lebensmittel, zu denen all diese Anti-Katermittel gehören (Reboot übrigens auch), gelten sogar besonders strenge Standards. Alle Aussagen, die man zu ihnen trifft, müssen von einer unabhängigen Kommission europaweit zugelassen werden. Und die Kaktusfeige – Überraschung – taucht in der Liste nicht einmal auf. Das liegt daran, dass eine Studie, die alleine schon sehr wenig Aussagekraft hat, praktisch keinen wissenschaftlichen Wert hat – geschweige denn, dass sie ausreichen würde, um ganze Produkte darauf zu basieren. Und um das herauszufinden, braucht es nicht einmal besonderes Fachwissen.

Die Studie selbst: Es braucht nichtmal Details

Der Autor der Studie, Jeffrey Wiese, ein Professor aus St. Louis, hat sich vor allem durch seine Lehre einen Namen gemacht und dafür etliche Preise eingeheimst. Die Liste seiner wissenschaftlichen Arbeiten zeigt, dass es ihm in seiner Arbeit vor allem um “weiche” Themen als um die knallharte Forschung geht – völlig legitim, muss es auch geben.

In dieser Studie im Besonderen fällt auf: Die Teilnehmer waren allesamt Studenten der Uni, an der Wiese selbst arbeitet. Die Co-Autoren waren zu dem Zeitpunkt selbst noch im Studium.

Die Studie wurde von der Uni in St. Louis und der University of California, an der Wiese vorher gearbeitet hat, zugelassen. Alle Teilnehmer hatten “Erfahrungen mit Kater” und die Auswahlkriterien sind, freundlich gesagt, eher großzügig. Die Teilnehmerzahl ist viel zu gering und methodisch gibt es einiges zu meckern.

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Eine Studie, die in einen kleinen Hörsaal passt, ist selten aussagekräftig.

Didaktisch wertvoll, wissenschaftlich fragwürdig

Ohne etwas unterstellen zu wollen: Man kann auf die Idee kommen, dass da jemand schlicht Spaß an der Sache hatte und die Durchführung einer Studie mit seinen Studierenden in der Praxis ausprobieren wollte. Und wenn man das hinterher tatsächlich publiziert anstatt es in der Schublade verschwinden zu lassen, geht ein Lacher durch den Hörsaal.

Eine solche Studie, die in einem Seminarraum durchgeführt werden kann, kann allerhöchstens ein paar Anhaltspunkte liefern, mit denen andere weitermachen können. Vielleicht war es auch als solche gemeint, auch das kann man ja mal machen.

Wer kümmert sich schon um Wissenschaft

Schon ein Jahr später kam eine weitere Studie heraus, die die Ergebnisse nicht bestätigen konnte. 15 Jahre nach dem Erscheinen der “Kaktusfeigen”-Studie konnten die Ergebnisse nicht reproduziert werden. Das ist eine publizistische Ente. Aber wer ein Anti-Katermittel sehen (und verkaufen) will, dem ist das egal. Oder weiß es nicht besser.

Und so wird der Mythos der Kaktusfeige gegen Kater weiter befeuert. Das ist im Vorgehen nicht unähnlich zum Wahnsinn der sogenannten Impfskeptiker (eigentlich: Impflügner), die sich auf eine einzige schlechte und zigfach widerlegte Studie beziehen und diese mit Scheuklappen aus Stahl verteidigen. Immerhin schadet die Kaktusfeige nicht, insofern ist die Auswirkung verkraftbar. Den Mitteln, die tatsächlich etwas bringen, erweist man damit jedoch einen Bärendienst.

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Symbolbild: Der Blog-Autor nach der Lektüre der Inhaltsstoffe diverser Anti-Katermittel.

Es geht auch anders: Echt was gegen Kater.

Wer auf Nummer sicher gehen will, checkt die oben erwähnte Liste der EU-Kommission nach jedem einzelnen Inhaltsstoff. Oder liest aufmerksam, was sich hinter dem *-Sternchen an vielen Aussagen zu bestimmten Mittelchen verbirgt, denn die sind mittlerweile Pflicht.

Für den Kater kommen da so einige Aussagen in Betracht: Ausgleich des Elektrolythaushalts (da durch Alkohol mehr Elektrolyte ausgeschieden werden), Verringerung von Müdigkeit, Erhalt der Leistungsfähigkeit des Körpers: Die Symptome und was man sich dagegen wünscht, kennen wir wohl alle. Bei Reboot Brause sieht das dann so aus:

👉 Trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei durch Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B6, Vitamin B12, und Vitamin C.
👉 Trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei durch Magnesium, Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B6, Vitamin B12 und Vitamin C.
👉 Trägt zum Elektrolytgleichgewicht bei durch Magnesium.
👉 Trägt dazu bei die Zellen vor oxidativen Stress zu schützen durch Vitamin B2 (Riboflavin) Vitamin C und Zink.
👉 Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems während und nach intensiver körperlicher Betätigung bei durch Vitamin C.

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Stefan

Stefan hat in Münster Pharmazie studiert und ist mittlerweile approbierter Apotheker. Noch während des Studiums entwickelte er "Der Katerkiller". Aus rechtlichen Gründen wurde das Produkt leicht verändert als "Reboot" neu rausgebracht. Wenn er nicht gerade über Dosenbrausen und obskure Mittelchen herzieht, arbeitet er bei einem Fachverlag und denkt sich Apps aus.

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